 |
Hans-Dieter-Belitz-Institut für Mehl- und Eiweißforschung |
Rheologie: Mikrozugversuche und Fundamentalrheologie
Der Backversuch ist das wichtigste Kriterium zur Ermittlung der
Eigenschaften von Mehlen und Backzusätzen, seine Durchführung ist jedoch
zeitaufwändig und kompliziert. Ersatzweise wurden daher rheologische Methoden
entwickelt, die einfacher, schneller und reproduzierbarer durchzuführen
sind und gleichzeitig genaue Ergebnisse liefern. Diese sogenannten indirekten
Methoden geben Hinweise auf die Eigenschaften von Mehl und auf die zu
erwartenden Backergebnisse. Für diese Methoden wird nur sehr wenig Mehl
benötigt (10 g), die ermittelten Ergebnisse sind jedoch mit den
Standardbackmethoden gut vergleichbar. Mikrofarinogramme dienen zur Beurteilung
des Knetverhaltens von Mehlen, Mikrozugversuche werden zur Bestimmung der
Festigkeit und Dehnbarkeit von Teig und Kleber herangezogen. |
 |
Zur Charakterisierung von Weizenteig und -kleber werden entsprechende
Stränge mit dem Texture Analyser
so lange gedehnt, bis sie reißen. Die erhaltenen Kraft-Weg-Diagramme
sind sortenspezifisch und geben Aufschluss über die Wirkung von
Zusätzen oder technologischer Methoden. |
 |
 |
 |
Zunächst wird am Mikrofarinographen (links) aus 10 g Mehl bei
22 °C ein Teig hergestellt. Dabei wird die Wassermenge so gewählt,
dass im Maximum der Farinogrammkurve eine Konsistenz von 550
Farinogramm-Einheiten entsteht. Zur Bestimmung der Klebereigenschaften wird
dieser zunächst an der Kleberauswaschmaschine Glutomatik (Mitte) mit
Kochsalzlösung ausgewaschen. Um Zugversuche mit Teig oder Kleber
durchführen zu können, wird eine Einspannvorrichtung aus Teflon
(rechts) benötigt. |
 |
 |
 |
Der Teig oder Kleber wird in eine ellipsoide Form gebracht und in
die Teflonformen eingespannt (links). Nach einer Entspannungszeit von 40
Minuten werden die Teig-/Kleberstränge aus der Form genommen (Mitte),
in das SMS/Kieffer
Dough & Gluten Extensibility Rig eingespannt und am Texture Analyser
TA-XT2 bis zum Zerreißen gedehnt (rechts). Es werden typische Kraft-Weg
Diagramme erhalten (unten). |
 |
Zur Bestimmung physikalischer Größen von Teigen und
Klebern wie Viskosität, Fließgrenze und Elastizität werden
Messungen an einem dynamischen Stressrheometer (kinks unten) durchgeführt.
Dabei befindet sich ein Teig- oder Kleberstück zwischen zwei Messplatten.
Über die obere Platte wird eine Kraft auf die Probe gegeben, mit der unteren
Platte wird die Reaktion der Probe auf die Kraft gemessen. Die angelegte Kraft ist
in der Regel so klein, dass im Gegensatz zu den Zugversuchen eine
zerstörungsfreie Messung gewährleistet ist. Je nach Art der angelegten
Kraft wird zwischen verschiedenen Messmodi unterschieden. Wird die Probe
für eine definierte Zeit mit konstanter Kraft geschert, dann die Kraft
abgeschaltet und die Entspannung der Probe verfolgt, so handelt es sich um den
sogenannten Creep-Recovery Test. Die Kraft kann jedoch auch oszillierend
einwirken, wobei einerseits die Frequenz der Schwingung, andererseits die
Amplitude variiert werden kann (Stress-Sweep, Frequenz-Sweep). Aus der
gemessenen Phasenverschiebung zwischen der anregenden und der reagierenden
Kraft können rheologische Größen berechnet werden. |
 |
 |
Am Mikrofarinographen wird ein Teig hergestellt, bei
Kleberuntersuchungen wird der Kleber an der Glutomatik-Auswaschmaschine
isoliert. Es werden Teig- bzw. Kleberkugeln geformt, die zwischen zwei
Kupferplatten durch Abstandhalter auf eine definierte Dicke gepresst werden
(rechts). Danach wird die Kassette bis zur Messung tiefgefroren. |
 |
 |
Die Kassette wird auseinander genommen und die noch gefrorene
Teig- oder Kleberscheibe auf die Messplatte des Stressrheometers aufgelegt (links).
Das Rheometer wird in Messposition gebracht (rechts), zum Ausgleich der
Temperatur wird noch einige Zeit gewartet bevor die Messung beginnt. Typische
Messkurven sind unten abgebildet. |
 |
 |
| |
© 2012 Hans-Dieter-Belitz-Institut -
Webmaster
|